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Angespannt und erwartungsvoll stiegen sie nächtens den schon bekannten Weg durchs Klofenster und die Ritzen des Turms hinunter. Auf jedes Geräusch lauernd, blieben sie immer wieder stehen und schlichen schließlich quer über den Hof, der in jener Nacht ausgerechnet von hellem Mondschein erleuchtet wurde, so dass ihre Körper lange, skurrile Schatten auf das alte Kopfsteinpflaster warfen. Andy wagte es als erster. Er ging in die Knie, streckte die Hände weit nach vorne und sogleich den Kopf in die Maueröffnung. Ein kalter Luftzug kam ihm entgegen, der seine Theorie bestätigte. Mit Ellbogen und Knien versuchte er mühsam, sich vorwärts zu schieben. Der enge Gang nahm plötzlich ein leichtes Gefälle nach unten, wodurch sein Körper auf dem sandigen Untergrund ein klein wenig leichter vorwärts rutschte. Absolute Dunkelheit und Totenstille umgab ihn. Er fühlte sich wie in einer Gruft. Sein Körper begann allmählich klamm zu werden, Irgendwo spürte er im Vorwärtsrobben den leisen Luftzug eines mündenden Schachts, aber er entschied sich für den Weg, der nach unten führte. Mit den Händen voraus ertastete er so manch krabbelndes Kleingetier, dessen moderige Wohnstätte er nun wohl außerordentlich durcheinanderbrachte. Wie weit war er denn schon? Wo endet dieser verfluchte Schacht? Lohnt sich eigentlich dieser blöde Aufwand?

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Keuchend bog Hardy in die Einfahrt eines Wohnhauses ab und befand sich wie in einer Mausefalle in einem Garagenhof, der ringsum von Hauswänden umgeben war. Direkt am Hauseck neben der Einfahrt war eine Eingangstüre. Blitzschnell sprang Hardy hin und rüttelte. Die verdammte Türe war verschlossen. Es gab keinen Ausweg. Jeden Moment würde der blöde Gigant hier sein, dann gnade ihm Gott. Die Garagen im Innenhof hatten allesamt zweiflügelige, blaugrau gestrichene Tore, von denen einige weit offenstanden. Die meisten Holztore waren jedoch verschlossen. In einigen der offenen Garagen standen Autos, viele aber waren leer. Blitzschnell rannte Hardy in eine leere Garage hinein, zog hastig die beiden Türflügel zu und beobachtete durchs Schlüsselloch den Hof. Durch den begrenzten Blickwinkel des Guckloches konnte er nur einen kleinen Teil der Einfahrt überschauen, sah aber dennoch plötzlich den fremden Mann, der vor seinem Tor stehenblieb und sich nach allen Richtungen umblickte. Er schien nicht bemerkt zu haben, wie Hardy die Türen geschlossen hatte. Gerade noch rechtzeitig, in allerletzter Sekunde. Völlig außer Atem konnte Hardy kaum sein Keuchen unterdrücken. Angsterfüllt hielt er sich den Mund zu und wagte es nicht, sich zu bewegen. Der Fremde stand nur wenige Meter von seinem Schlüsselloch entfernt.

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Der Erzieher ging voraus und öffnete mit rasselndem Schlüsselbund die Zellentüre. Sodann ließ er Hardy eintreten, knallte die Tür zu und drehte den Schlüssel im Schloß zweimal herum. Wie ein armer Sünder setzte sich Hardy auf die Kante des eisernen Bettgestells, auf dem eine dünne, aber feste Matratze lag. Das Gestell war mit seinen kurzen Füssen am Boden verschraubt. Hardy sah sich im Raum um, welcher etwa drei mal drei Meter maß. Die Pritsche in der Mitte, eine Kloschüssel im Eck, sonst keinerlei Möbel. Du kannst nur dasitzen und glotzen. Besinnungszelle. Völlig isoliert von der Außenwelt sitzt du auf der Kante der niederen Bettstatt, oder du legst dich flach auf den Rücken und starrst auf die vergitterte Deckenleuchte.
Es ist totenstill. Keine Geräusche dringen zu dir durch.
Du liegst und döst blöde vor dich hin. Und du spürst die Ungewissheit im Bauch, weil du nicht weißt, für wie lange du zur Einzelhaft verdonnert bist.
Zur Schule werden sie mich schon wieder raus lassen, dachte Hardy und schloß die Augen. Wie viele Stunden er so da lag, wußte er nicht.

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